Wie kommt man eigentlich auf diese Idee, in Island dem Fahrrad Auslauf
zu geben? Bei mir war der Auslöser ein Buch von Christian E.
Hannig (Island - Vulkane, Eis und Einsamkeit, ISBN 3-89405-049-7). So
faszinierend las sich dieser, zwar schon 10 Jahre alte, Bericht einer
Radtour durch Island, dass Anfang 2002 mein Entschluß feststand:
"Da musst Du auch hin!".
Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich in den letzten Zügen meines
Studiums, die Vorbereitungen für die Diplomarbeit liefen auf
vollen Touren.
Halt in dieser ziemlich streßigen Zeit fand ich in den
Träumereien von meinem eigentlich für den Sommer 02 geplanten
Urlaub. Das sollte meine Belohnung sein.
Wie's jedoch so kommt, dauerte das Schreiben länger, so daß
der Sommer schon lang vorbei war. Der Traum war jedoch nicht
verschwunden, also wurde die Reise auf das nächste Jahr vertagt.
Im Februar 03 wurde dann der Urlaub eingereicht und der Flieger
gebucht. März, April, Mai, Juni... unzählige Reiseberichte
über Island verschlungen, Ausrüstung zusammengestellt und bei
2 kleineren Radtouren durch Deutschland erste richtige Erfahrungen mit
dem Radreisen gesammelt.
So, genug gelabert, nun gehts los. Die Einträge stammen aus meinem
während des Urlaubs geführten Tagebuches, Anmerkungen, die
ergänzt wurden, sind
farblich markiert. Lediglich die
Kurzform des Tagebuches wurde (hoffentlich) lesefreundlicher gestaltet.
19.07.03, erster Tag
Mit Packen schon am Vorabend fertig geworden (ohne Streß
wär's ja langweilig). Gegen 9 standen dann mein Chaffeur und seine
Freundin vor der Tür, die mich mitsamt des ganzen Gepäcks zum
Flughafen bringen sollten. Superpünktlich, das war ich ja garnicht
gewohnt...
Noch 5 Stunden bis zum Abflug, das sollte ausreichen, um in aller Ruhe
einzuchecken und noch gemütlich am Flughafen zu
frühstücken.
Eine Stunde später war dann alles die 5 Stockwerke
heruntergeschleppt (man, ist das heiß hier) und im Auto verstaut,
das Rad thronte majestätisch auf dem Autodach (wie immer ungeputzt). Und nun nahm das Unheil seinen Lauf.
Bei der Einfahrt ins (wie sich herausstellte, falsche) Parkhaus
schafften es 3 Personen, das Hinweisschild mit der Maximalen Höhe
zu ignorieren. Es rummste kurz und auf einmal klopfte mein Rad an die
Seitenscheibe. Tja, 2.10m sind wohl doch etwas niedriger als Fahrrad
& Auto.
Schnell das (unbeschädigte) Rad vom total verbauten Träger
abgenommen und sich mit den Worten "Ich komm nach" vom Fahrer
verabschiedet. Ja,denkste... Versucht mal, in einem Parkhaus mit 5.000
Stellplätzen auf 10 Etagen ein Fahrzeug zu finden. Nach einer
Stunde des Umherirrens (mein Telefon lag sicher im Auto)
entschloß ich mich, im Abflugsterminal auf meine Begleiter zu
warten/hoffen)
Eine Stunde später, mittlerweile waren es nur noch 90 Minuten bis
zum Abflug, war noch immer keine Spur von den beiden zu sehen. Der
Herzinfarkt rückte immer näher. Endlich, 50 Minuten vor
Abflug sah ich die beiden. Hui, ein Stein fiel mir vom Herzen.
In Windeseile zum Check-Inn bzw. zu der kilometerlangen Schlange, die
sich vor den Röntgengeräten gebildet hatte. Na gut, warten.
Kurz darauf kam ein Flughafenmitarbeiter: "Icelandair?" "Ja, hier,
ich". An der ziemlich unentspannt dreinschauenden Meute ähhh
Schlange vorbei, das Gepäck in den Schacht geworfen und das Rad
flugtauglich gemacht.(Dass das Werkzeug dazu im Rucksack ganz tief
vergraben war, brauch ich sicher nicht besonders zu erwähnen)
Auch diese Hürde wurde elegant genommen und ab zum Schalter.
Gepäck aufs Band geworfen und Ticket rübergereicht. "Haben
Sie umgebucht?" fragte die Dame. "Häh? Nö, wieso?" -
"Abflugtermin war der 12.Juli!"
Nein, ich habe es tatsächlich geschafft, den Urlaubsbeginn des
Urlaubes, mit dem ich mich seit einem halben Jahr fast täglich
beschäftigt habe, um eine Woche zu verschwitzen (aktuelle Uhrzeit:
noch 30 Minuten bis zum Abflug)
also fix zum Schalter, um noch umzubuchen. Das ich mich da erst am
falschen Schalter angestellt habe...nicht der Rede wert. Andreas wies
mich darauf hin, Schalter gewechselt (noch 25 Minuten). Eine sehr
belustigte, aber trotzdem hilfreiche Icelandair-Angestellte versuchte
ihr Bestes. "Umbuchen kostet 1.000€ (das Ticket hatte 750 gekostet!),
neues Ticket 1.800€" In Gedanken überlegte ich mir schon die
Strecke durch Deutschland, die ich in den nächsten drei Wochen
fahren würde. Urlaub geplatzt. Da kam ein neues Angebot: Abflug am
Sonntag, 380€. Sofort zugeschlagen und auf gut Glück (bzw.
erzählte Andreas, dass da wohl noch ein paar Plätze frei
seien) zum Check-Inn, vielleicht klappts ja (13:50, noch 10min). Die
Schalterdame musste erst nochmal nachfragen (13:55), "ja, geht!" Super.
Schnell das Gepäck aufs Band gelegt und vorsichtig auf das Fahrrad
hingewiesen. Das Gesicht der Dame versteinerte... "Sie haben doch schon
7 Kilo Übergewicht" (also hören se ma, 70 kilo bei 1.80, mein
BMI ist top!, achso, das Gepäck) Naja, auf jeden Fall hats dann
doch noch geklappt (14:02) "Aber beeilen Sie sich!" Schnell das Rad dem
grad von seiner Mittagspause zurückgekommenen Sperrgutbeauftragten
in die Hände gedrückt und im Laufschritt zum Gate (Ben
Johnson war ne Schnecke gegen mich!). Mit den Worten "mein Flieger geht
gleich" an der Schlange vor der Personenkontrolle vorbeigemogelt (ok,
wieder 50 Feinde mehr... macht jetzt auch nix) Der absolut
überforderte Beamte,der kein Verständnis für meine
Situation hatte, ließ mich natürlich noch den vollgestopften
Rucksack ausleeren... 14:10 war ich dann am Gate, jetzt absolut
urlaubsreif.
Das der Flieger dann 45 Minuten verspätet abhob... nein, ich war
ruhig. Ich saß im Flieger (erster Klasse!) und machte mir
eigentlich nur noch Sorgen, ob es mein Rad noch geschafft hatte. Welcome
to Iceland
Dank des Fensterplatzes hatte ich einen wunderbaren Blick auf die
Faröer Inseln, nachdem der Flieger die Wolkendecke
durchstoßen hatte (besser gesagt waren die
Wolken verschwunden).
Dann drehte der Flieger
noch eine Ehrenrunde über Island, so daß ich mir anschauen
konnte, wo ich in den nächsten Tagen herumgondeln werde. Boaahh
ey, geil (Entschuldigt die Sprachverwirrung, aber
der Anblick war einfach atemberaubend) Sonne ohne
Ende, na, scheint ja doch noch alles gut zu werden.
Und dann
setzte der
Flieger auch schon in Keflavik auf. Nach Abholen des Gepäcks
(vollständig, nicht ein Kratzer am Rad) und fertigmachen des Bocks
(das Luftablassen ist bestimmt nur Schikane, ich
denke, die Airline-Mitarbeiter amüsieren sich versteckt über
die pumpenden und schwitzenden Radler) folgte
ich dem Schild, dass mich nach draussen führen sollte. Und auf
einmal stand ich in island. Keiner wollte meinen paß sehen,
keiner einen Blick in das Gepäck werfen. Wo bin ich hier gelandet?
18°, Sonne, leichter Wind... das Haar sitzt! So empfing mich
Island. Der erste Eindruck zählt ja bekanntlich, Island, ich liebe
dich! Mach weiter so!
Nachdem das Rad dann
endgültig reisefertig war, noch fix Wasser
getankt wurde und der Plausch mit den 3 auch gerade angekommenen
Radlern beendet war, gings los. Entgegen der Warnung im
Reiseführer (wann immer in diesem Bericht
von Reiseführer, Schundblatt oder Machwerk des Teufels die Rede
ist, meine ich Hoffmanns "Island per Rad" in der 2001er Ausgabe) fuhr es sich auf der 41 nach Reykjavík sehr
gut. Der Randstreifen war asphaltiert und genauso breit wie die
Fahrspur, dazu wichen die Autos auch noch auf die Gegenspur aus. Also spart Euch das Geld für den Bus nach R.! Auf der Suche nach einer Tankstelle in Keflavik, um
meinen Kocher mit Treibstoff zu versorgen, stoppte mich ein Mädel,
die zu einer größeren Truppe Jugendlicher gehörte. Wie
sie mir erzählte, heiratet sie morgen und es ist hier wohl Brauch,
daß ihre Freunde ihr mit Musik und Gesang viel Glück
wünschen. Und ich sollte nun ein Instrument spielen, um den Gesang
zu begleiten. Ich!? Der weder singen geschweige denn musizieren kann?
Keine Widerrede, mir wurde eine Flöte überreicht, auf der ich
nun spielen sollte. Naja, scheinbar zählte der gute Wille,
Umarmung, Glückwünsche und weiter gings. Nachdem ich mich an
der Tankstelle mit Benzin, Cola und Bier (Malzbier, wie ich später
feststellte) versorgt hatte. Kefllavík schnell wieder verlassen (erinnerte mich an eine Retortenkleinstadt in Amerika,
Pizzabuden usw.) Kurz darauf verließ ich den Asphalt, da mich
eine unbefestigte Straße einlud, mir einen Vorgeschmack auf das
zu geben, was mich im Hochland erwarten sollte. Kleine
runde Steine
vereitelten jeden Versuch, voran zu kommen oder die Richtung zu
ändern. Nach 5 km gab ich auf und begab mich wieder zurück
auf die 41.
Beim
Abzweig der 420, kurz vor Vogar, entdeckte ich ein
Hinweisschild auf einen Campingplatz. Da es für den ersten
Tag (18:30 bzw. 20:30 deutscher Zeit) ausreichte, war der
Entschluß schnell gefasst. Da ich den verhießenen Platz
aber nicht fand (später kam ich dahinter.
Vermutlich befindet sich der Platz hinter der Turnhalle, entweder
kostenlos oder der Wärter kommt einmal am Tag vorbei. Auf jeden
Fall schöner als der in Keflavik, aber vermtl. ohne Einrichtungen,
außer sie sind in der Halle. Auf jeden Fall sehr
windgeschützt) baute ich mein Zelt hinter
einem abgebrannten Haus direkt an der Küste auf. Von der Wildromantik, die ich später noch erleben
sollte, war hier zwar nix zu spüren, über mir die Flieger,
die 41 in Sichtweite, aber trotzdem wars für den ersten Tag schon
ein würdiger Platz.
Nach dem fürstlichen Mahl (Spaghetti aus Wassermangel zusammen mit
der Sauce gekocht) habe ich mich um die richtige Verteilung der
Ausrüstung gekümmert und bin dann gegen 23:00 Uhr bei
strahlendem Sonnenschein eingeschlafen.
20 km, 0.0 Hm
Zweiter Tag
Um 6:30 weckte mich strahlender Sonnenschein. Da am Horizont, über
dem Flughafen, bereits dunkle Wolken aufzogen und die
Außentemperatur bei noch ungewohnten 15° lag, blieben die
kurzen Sachen in den Taschen. Die Regenklamotten waren griffbereit
verpackt. Da noch immer Wassernotstand herrschte, fiel das
Frühstück aus, um 7:45 verließ ich dann diesen Platz
(ich hoffe, die Packtechnik verbessert sich noch).
Kurz darauf erreichte ich Hafnarfjördur, eine Vorstadt von Reykjavík. Die 41
führte mich immer mehr in dicht besiedeltes Gebiet, vorbei an
einer imposanten (von der Länge her) Aluminiumfabrik. Komischerweise erwähnte ich im Tagebuch die
beeindruckenden Lavaformationen nicht, folgt noch. An einer Tankstelle wurde dann ausgiebig
gefrühstückt. Sehr netter Tankwart, da ich trotz Packliste
den Stift für's Tagebuch vergessen hatte, schenkte er mir einen
und freute sich riesig über mein "Takk fyirir". Reykjavík wurde fix
passiert, das Fahren auf der teilweise 8-spurigen Autobahn ging
einfacher als gedacht. Wie ich auf der
Rücktour bemerkte, scheint das Radfahren hier doch nicht so
dramatisch, wie vom Reiseführer geschildert. Zwar war es schon ein
wenig beklemmend, wenn von rechts auf 2 Spuren Autos auf die
Straße geleitet wurden, aber weder wurde wie in Dtl. gehupt oder
geschnitten noch sonstwelche gefährlichen Situationen provoziert.
Möglicherweise sieht das während der Rush hour anders aus,
aber auch hier war keine fremde Hilfe von nöten. Der weitere Weg
war gut ausgeschildert.
Zwischen Reykjavík und
Mosfellsbær (-bær steht übrigens
für Hof, Farm) entdeckte ich einen sehr
schönen Rastplatz, mitten im Wald. Naja, max. 3m hohe Bäume,
aber immerhin. Dazwischen floß ein kleines Flüßchen,
auch der obligatorische Grill stand bereit. Dazu einen schönen
Blick auf die Bucht.
Auch hier spricht der Reiseführer davon,
daß diese Strecke nicht empfehlenswert sei. Quatsch, wie schon
vorher auf der 41 gabs einen gut ausgebauten Seitenstreifen, zwar nicht
so breit aber für einen Radler ausreichend, um trotz starkem
Verkehr sicher voranzukommen.
Hinter Mosfellsbær verließ
ich dann die 1 (Ringstraße), um auf der 36 nach Þingvellir
zu gelangen. Wie Þingvellir wirklich
ausgesprochen
wird, hab ich bis heut noch nicht ganz rausgefunden (das Þ
wird wie das englische TH
gesprochen, das ll geht in Richtung ch) Dort jedenfalls tagte das alte
isländische Parlament, das Alþing. Gegenwind, schmale Straßen und
bis zu 8% Steigung ließen
das ganze ziemlich andauern. In Þingvellir
angekommen, erwartete
mich das typische Touristengewimmel. Den Tip
des Reiseführers,
vorher von der 36 abzubiegen und den ersten, kaum zu übersehenden
Aussichtspunkt anzusteuern, sollte man Folge leisten. Es erwartet einen
ein zwar kurzer, aber schöner Abschnitt quer durch eine Schlucht,
die man nur als Radler bzw. Fußgänger betreten darf. Viel zu
sehen gabs hier nicht, aber der vorhergehende Blick auf die Landschaft,
den See im Vordergrund, die BErge dahinter, war recht hübsch.
Die Schlucht,
Der Haupttreffpunkt in þingvellir ist der
Kiosk. Neben Eis gibts hier Kaffee, Schokoriegel und ähnliche
Kleinigkeiten. Der Zeltplatz (allen Anschein nach
kostenlos) wurde als unschön befunden, so
daß ich mich, frisch gestärkt und mit genügend Wasser
versehen, weiter machte, um meine erste Hochlanderfahrungen zu sammeln.
Ich folgte der 52, die nach 5km zur unbefestigten Straße wurde.
Hier erwartete mich die erste Herausforderungen. 12% Steigung,
Wellblechpiste, loser Schotter. Also war dann am Sandkluftavatn, einem
fast ausgetrocknetem See, Schluß. Durch die Trockenheit soll es
laut Reiseführer hier schnll zu Sandstürmen kommen. Stimmt,
ziemlich starker Wind (für Isländer:
eine laue Brise) trieb immer wieder Sandböen
vor sich her. Die Suche nach einem zum Zelten geeigneten Platz war
nicht leicht. Der erste auserkorene Platz lag eigentlich im See. Sollte
es also in der Nacht heftig regnen, würde ich am Morgen zumindest
mit nassen Füßen aufwachen. Der zweite Platz lag etwas
höher, windgeschützt, aber unter einer marode aussehenden
Felswand gelegen. Zu gefährlich. Der Dritte war's dann. Zwischen
zwei Hügeln, nahe einem Flußbett (ausgetrocknet), aber hoch
genug, daß im Falle eines Wolkenbruchs das Wasser sich erst weit
unerhalb sammeln würde (hoffe ich). Windgeschützt war
der Platz auch und absolut RUHIG. Die Stille war schon fast
ohrenbetäubend. Wenn nicht grad auf der anderen Seite des Sees
(ca. 1km entfernt) ein PKW seine Stoßdämpfer ruinierte war
nix, aber auch garnix zu hören. (Das
Gefühl ist schwer beschreibbar;wenn man ein sehr lautes Konzert
verläßt, pfeifft es häufig in den Ohren bzw. ein
dumpfer Druck liegt darauf. Hier war es genauso, man konnte das Blut in
den Ohren rauschen hören)
Hier gefällt's mir, hier bleib ich. Der Zeltaufbau erwies sich als
schwierig, da in dem losen Sand die Häringe kaum halten wollten.
Aber mit Hilfe von ein paar Steinen gings dann doch.
Tagestemperatur: 13-18°, bewölkt, aber kein Regen, 95km, 900hm
3. Tag
Gegen 6 Uhr aufgewacht, Regen. Kurzer Kontrollblick, alles trocken,
kein Wassereinbruch, weiterschlafen.
7 Uhr - noch immer Regen, weiterschlafen
8 Uhr - kein Regen. guten Morgen! Käffchen gekocht und in aller
Ruhe zusammengepackt, was bei dem Anblick echt schwer fiel. Auf der
anderen Seite des Sees, in Höhe der Straße, über die
ich gestern gekommen bin, bildeten sich wunderschön anzusehende
Wolken. Die Spitze der Bergkette war von Wolken verhüllt. Nachdem
ich mich dann endlich von diesem Schauspiel gelöst hatte, fing ich
dan, das Zelt zusammenzupacken. Überall klebte der schwarze Sand.
Zusammen mit der feuchten Luft ergab das eine wunderbare Pampe, die
dank meiner genialen Packtechnik (das Zelt musste 3mal
auseinandergerollt werden, ehe es in den packsack passte) nun endlich
überall klebte. Noch kurz versucht, in dem zwei Zentimeter tiefen
See das geschirr abzuwasschen und gegen 11 dann endlich losgekommen.
Der Verkehr auf der 52 war fast komplett verschwunden, dank der
Feuchtigkeit stand man auch nicht mehr in einer Staubwolke,wenn ein
Fahrzeug vorbeifuhr.
Ein paar Kilometer später, nachdem es sich in der Ebene so
schön fuhr, sah ich die Straße sich den Berg hinaufwinden,
teilweise bis zu 12% Steigung, aber man war ja noch fit. Auf der
anderen Seite gings dann gleich wieder hinunter, um kurz danach wieder
anzusteigen. Auch dieser Abschnitt war schnell bewältigt, bis nach
Uxahryggir führte die Straße neben einem Fluß entlang.
Das lud ein, bei 12°C eine Katzenwäsche in dem eiskalten
Wasser zu nehmen. Auf einmal war mir wieder warm. Was die
vorbeifahrenden Autofahrer wohl dachten? Am Abzweig der 52 begann nun
das richtige Hochland. Es ging einen Kilometer mit bis zu 8% bergauf,
vorbei an einer Schutzhütte. Kurze Zeit später meldete mir
mein Magen, daß er mit der verordneten Diät nicht
einverstanden sei. Im Windschatten eines großen Steins lecker
schwarzen Tee mit Milch und Zucker gekocht (danke an Andreas für
die Bundeswehrverpflegung) und gefrühstückt. Unter den vielen
vorbeifahrenden Autos (erstaunlicherweise viele Kleinwagen trotz mehr
als rauher Piste) war auch ein Leipziger. (Die Welt ist ein Dorf)
Leider war er zu fix vorbei, aber egal, bin ja nicht hier, um Ladsleute
zu treffen. Und weiter ging's. Es wurde immer steiler, langsam setzte
Nieselregen ein, mein Weg führte mich mitten durch die Wolken. 14%
Steigung ließen mich trotz 9°C schwitzen. Endlich am
höchsten Punkt dieser Etappe angekommen (740m ü.N.N.), war
leider von dem versprochenem Ausblick nix zu sehen. Die Kaldidalur war
wegen der Wolken kaum zu überblicken. Den Langjökull konnte
ich nur erahnen, den Ok sah ich garnicht. Dafür die Schneefelder
neben der Straße.
Nach einer kurzen Rast begann der Spaß. Noch fix Regenjacke
angezogen und Helm aufgesetzt und ab dafür. Mit teilweise 50kmh
über Wellblech/Schotter/Sandpiste sorgte für einen
gehörigen Adrenalin-Kick. Einmal wurde die Hatz unterbrochen, um
ein entgegenkommendes Radler-Päarchen zu begrüßen (aus
Dtl., woher sonst).
Irgendwann war ich dann im Tal der Geitlandshravn, die sich eine tiefe
Schlucht neben der Straße gegraben hatte. Die steinige Landschaft
wurde grüner, auf der rechten Seite vereinigte sich ein weiterer
Fluß mit der G., so daß diese immer beeindruckendere
Ausmaße annahm.
Und schon (15.00 Uhr) war die F550 zu Ende und der Campingplatz rief.
Das Wetter hatte sich mittlerweile auch gebessert, der Regen war
3°C wärmer geworden.
Der in einem kleinen Wäldchen liegende, sehr geräumige
Campingplatz kostete 600ISK (der
Standardpreis isländischer Campingplätze, ungefähr 7€). Das Schwimmbad war für 300 extra
dabei, leider die einzige Möglichkeit, hier zu duschen.
Während ich mein Zelt aufschlug, nahm der Regen immer mehr zu.
Eine kurze Regenpause wurde dazu verwandt, die gekauften Lebensmittel
in ein leckeres Mahl zu verwandeln (Nudeln mit Soße, was
sonst?!). Während des Schreibens (dieses Eintrages) gönnte ich mir ein Bier für
lächerliche 600 Kronen. Aber nach der Etappe hab ich mir das
verdient, behaupte ich mal. Ich hoffe, daß es keinen Regen gibt,
da die morgige Strecke heftig wird. Geplant sind 92km Hochlandpiste bis
Laugarbakki. Bisher hat sich Island von der netten Seite gezeigt, kaum
Gegenwind und das bissel Regen war auch nur beim Zeltaufbau nervig.
Was mir auch noch auffiel: Schafe sind blöd! Da sie hier
überall frei rumlaufen, aasen sie natürlich auch direkt neben
den Straßen und lassen sich weder von Bussen noch von
Geländewagen, die alle mit hohem Tempo vorbeirauschen,
beeindrucken. Kommt dagegen ein kleiner, leise vor sich hinschnaufender
Radler an, flüchten sie, als sei der Leibhaftige hinter ihnen her.
Lustig anzusehen, wie 3 Schafe gleichzeitig
übereinanderstürzen. Und eh ich's vergesse: bei Checkinn in
der Rezeption sprachen mich Isländer an, die mich auf der Kaldidur
überholt hatten. Neben den technischen GEplausche über das
Rad kam der trockene Kommentar der Frau: You're mad. Meine Antwort:
You're right...
4. Tag
Heute hat mir Island die Zähne
gezeigt, aber der Reihe nach.
Beim ersten Erwachen kurz nach 3 (es war natürlich schon/noch
hell) war ich fast am Überlegen, schon loszumachen. Aber das
wäre dann doch etas zu früh. Also bis 7 weitergeschlafen. Zum
Frühstück die Nudeln vom Vortag verzehrt, alle Töpfe mal
ausnahmsweise richtig saubergemacht. Noch ein kurzer Small-talk mit dem
Motorrad-Pärchen von nebenan und gegen 9 den Platz verlassen.
Der Weg führte mich auf Asphalt wieder zurück bis zum Anfang
der Kalkidur, dann überquerte ich den Gletscherfluß und
erklomm den ersten BErg. Ein Hinweisschild zeigte mir, daß nun
das Hochlandabenteuer richtig beginnt. Die ersten Kilometer waren recht
ereignislos, diese Sorte Straßen war ich bereits gewöhnt.
Dann tauchte ein Hinweis auf die sich neben der Straße
befindlichen Höhlen im Lavafeld auf. Schnell die kleine
LED-Kopflampe geschnappt und zum Höhlenforscher geworden. Geil! In
den Höhlen war es so kalt, daß teilweise eine dicke
Eisschicht auf dem Boden das "Erforschen" zu einer Rutschpartie werden
ließ. Die Luft selber war kalt, so daß mir beim
Herauskriechen die nicht warme Umgebung als sehr warm vorkam. In diesen
Höhlen soll sich, wie mir ein Isländer erzählte, einer
der Ausgestoßenen aufgehalten habe. Gesehen hab ich allerdings
keine Überreste von Lagern etc.
Leider reichte das Licht nicht aus, um tiefer in die Höhlen
einzudringen, so daß ich mich schon bald wieder auf dem
Rückweg zum Rad befand. Am Rad traf ich das Pärchen vom
Zeltplatz, die mich später noch einmal überholen sollten.
Weiter gings nordwärts, die Straße wurde immer schlechter.
Nach ein paar Kilometern hörte das Geholper auf, der Weg wurde
sandig, leider trotzdem sehr schwer fahrbar. Immer wieder drehte das
Hinterrad durch bzw. grub sich im Sand ein, die ab und zu
überraschend auftauchenden Felsbrocken in der Straße machten
die Sache auch nicht leichter. Beeindruckend waren die
Lavaformationen, die sich links und recht neben der Straße
befanden. Als es dann anfing zu regnen, suchte und fand ich in einem
Senke einen windgeschützten Platz, um kurz zu entspannen. Leider
hörte der Regen nicht auf, also ging´s weiter.
Kurz hinter einem Achtungszeichen lagen große Steinplatten wie
hingewachsen auf dem Weg. Wieder mal half nur schieben. Wenige Meter
weiter sah ich die Nordlingafljöt. Dieser 150m breite Fluß
musste durchquert werden. Und wen sah ich am anderen Ufer? Die beiden
Motorradfahrer von der Höhle. Schlauerweise hatte Er eine
wasserdichte Anglerhose mitgenommen und schaute sich trockenen
Fußes nach einer für mich geeigneten Furt um. War jedoch nix
zu machen, ich musste durch die Hauptfurt. Die Idee, das Rad bepackt
hinüberzuschieben, hatte ich glücklicherweise gleich
verworfen.
Sehr starke Strömung und mehr als knietiefes Wasser, dazu
große Steine im Flußbett ließen die Furt zu einer
echten Herausforderung werden. Das Rad wurde mir fast aus den
Händen gerissen, mag garnicht daran denken, was der Fluß mit
den bepackten Rad angestellt hätte. Dank der unerwarteten Hilfe
mußte ich nur zweimal den Fluß überqueren. Danach
kamen mir die 11° Lufttemperatur auch richtig warm vor. Noch ein
kurzer Smalltalk und schon rauschten die beiden von dannen. Ich hab
erstmal in aller Ruhe das (unheimlich saubere) Rad bepackt und weiter
gings im strömendem Regen. Tiefer Sand und weiterhin viele
große Steine erschwerten das Vorankommen erheblich.Dazu die
tiefen Fahrspuren, die immer wieder zum Kontakt zwischen
Lowridertaaschen und Wand führten... mein Ziel, Laugarbakki noch
heute zu erreichen, rückte in weite Ferne.
Die "Straße" führte an einem See vorbei, um sich dann einen
Berg hinaufzuwinden. Der innere Schweinehund, der jetzt und hier das
Zelt aufbauen wollte, wurde mit einem lauten "Chaka, Du schaffst das"
zum Schweigen gebracht. Von hier an folgten 20 Kilometer, die ich
größtenteils schieben bewältigte. Nebenbei: Der
Radführer sprach von 7km. An kontinuierliches Fahren war nicht zu
denken, das Ganze ähnelte eher einer Trial-Strecke als einer
Straße. Scharfkantige oder rutschige FElsbrocken, durch den Regen
glitschige Felsplatten... selbst bergab musste ich schieben. Bergauf
sowieso.
Ein kleiner Abfluß eines Sees musste noch durchquert werden, dies
allerdings trockenen Fußes. Dann endlich tat sich vor mir der
Arnarvatn storá auf. Ein ziemlich großer See, von kleinen
Hügeln eingerahmt. Idyllisch, wenn ich nicht in diesem Chaos eines
Weges den richtigen Selbigen verloren hätte. Da es noch immer
regnete, musste hier nun das Zelt aufgebaut werden. Schlechte
Entscheidung. Da gerade jetzt der Regen aufhörte,
umschwärmten mich Tausende Mücken, die zwar nicht stachen,
sich aber trotzdem todesmutig in alle erreichbaren
Körperöffnungen stürzten. Diese ließen mich zu
einem Verstoß gegen das Vermummungsgebot greifen.
Schnell noch alles, was ich am Abend irgendwie gebrauchen konnte, ins
Zelt geworfen und mückenfrei im Zelt zu Abend gespeist. Irgendwann hörte ich draussen
dröhnendes Getrappel. Neugierig
wie immer den Kopf in den Regen (ja, es regnete wieder einmal)
gestreckt und eine Herde Island-Pferde erblickt, die von mehreren in
Ölklamotten eingehüllten "Cowboys" geleitet wurden. Jetzt sah
ich zum ersten Mal die für diese Pferde charakteristische Gangart.
Die Reiter sassen wie auf einem Sofa, kein Gewackel, absolut ruhig.
Scheene! Tagesbilanz: beeindruckende 40km
5. Tag
Am Morgen stürzte ich mich wieder todesmutig in das
Mückengebiet. Wenn man alle Tätigkeiten gegen den Wind
ausführt, konnte man es sogar aushalten. Nur nicht umdrehen! Noch
fix die Kette versorgt, die dem gestrigen Regen mit Quietschen ihren
Tribut zahlte. Von einem Angler, der über das plötzliche
Auftauchen eines scheppernden GEfährtes ziemlich erstaunt war,
wurde ich wieder auf den richtigen Pfad geleitet. Motiviert war ich von
der Aussage des Reiseführers, der mir ab den sich bereits in
Sichtweite befindlichen Hütten eine richtige Straße
prophezeite. Bis dahin führte mich der Weg aber nochmals durch
eine Prüfung. Die teilweise einen viertel Meter hohen Steine, die
die Straße darstellten, erschwerten das Fahrrad.
Glücklicherweise hielten die Laufräder diese Strapazen durch.
Die prophezeite Straße war zwar in schlechterem Zustand, als
erhofft, von tiefen Löchern und losem Schotter geprägt, aber
wenigstens fahrbar.
Der Regen ließ nicht lange auf sich warten. Die Straße wand
sich immer weiter den Berg hinauf. Ab und zu konnte ich durch den Nebel
den Eiriksjökull und den mächtigen Langjökull (beides Gletscher) erblicken.
Nach einer rauschenden Abfahrt überquerte ich auf einer
Holzbrücke die Austúra, die mich die nächsten
Kilometer begleiten sollte. Die Piste blieb steinig. Endlich erreichte
ich auch wieder bewohntes Gebiet (3 Autos passierten mich) und die
letzten Kilometer bis Laugarbakki warteten auf mich. Gegen 7 erreichte
ich im strömendem Regen den Zeltplatz. Supermarkt, kostenloser
Kaffee, kostenlose Dusche und ein beheizter Swimmingpool... das
Paradies. Noch fix zwei Leichtbier (ziemlich schmackhaft) geschnappt
und den Abend sehr gemütlich ausklingen lassen.
Ab hier gibts keine genauen Kilometerangaben mehr, mein Tacho hat mich
verlassen.Ca. 50km